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Prinzipalgesellschaften in der Schweiz – unbekannt, aber bedeutend

Um Synergien zu nutzen und die Effizienz zu steigern, legen multinationale Konzerne lokale Einheiten oft zu globalen oder regionalen Headquarters, sogenannten Prinzipalgesellschaften, zusammen. Diese profitierten bisher in der Schweiz von erheblichen Steuerbegünstigungen. Nach Annahme des «Bundesgesetzes über die Steuerreform und die AHV-Finanzierung (STAF)» am 19.05.2019 kommt allerdings Bewegung in die Thematik. Per 01.01.2020 wird erwartungsgemäss die Bundespraxis für Prinzipalgesellschaften aufgehoben. Mit welchen Konsequenzen dadurch zu rechnen sind – sowohl für die Unternehmen als auch für den Wirtschaftsstandort Schweiz – erfahren Sie in diesem Beitrag.

Was ist eine Prinzipalgesellschaft?

Um hierzulande den Status einer Prinzipalgesellschaft zu erhalten, muss ein global tätiges Unternehmen sämtliche zentrale Funktionen in der Schweiz konzentrieren. International tätige Konzerne fassen in einer Prinzipalgesellschaft also ihre bisher regionalen Strukturen oft in grössere Einheiten zusammen und zentralisieren damit Funktionen, Verantwortlichkeiten, Risiken und vielfach auch immaterielle Vermögenswerte innerhalb des Konzerns.

Eine Prinzipalgesellschaft übernimmt in der Regel folgende Aufgaben:

  • Planung von Forschung und Entwicklung
  • Verwaltung von Patenten und Lizenzen
  • Einkauf
  • Supply Chain Management
  • Produktionsplanung und -steuerung
  • Lager- und Logistikplanung
  • Marketingstrategie
  • Absatzplanung und -steuerung
  • Finanzierung und Verwaltung

Es handelt sich also zwingend um eine grössere Firmenniederlassung mit Dutzenden bis Hunderten von Angestellten. Erfüllt ein Unternehmen die Anforderungen, so besteuert der Bund – vereinfacht gesagt –  im Schnitt nur die Hälfte des ausgewiesenen Gewinns. Firmen mit Auslandbezug werden bisher in der Schweiz also weniger stark besteuert als solche, die nur im Inland tätig sind. Wie viele solcher Gesellschaften es in der Schweiz gibt, ist aufgrund des Steuergeheimnisses nicht wirklich klar. Man geht von einer Zahl im drei- bis vierstelligen Bereich aus, die auf Bundesebene betroffen ist. Auf Kantonsebene sind es bedeutend mehr, welche von Abschaffungen der Steuerprivilegien betroffen sind.

Prinzipalgesellschaften

 

Unternehmenssteuerreformgesetz III (USR) 2017

Mit dieser Praxis und den damit verbundenen Steuerprivilegien für bestimmte Unternehmen steht die Schweiz bereits seit über 10 Jahren international unter Druck. Die Steuervorlage USR III kam 2017 zur Abstimmung und wurde vom Volk und Ständen mit 59,1 Prozent Nein-Stimmen abgelehnt. Mit der Reform wollte der Bundesrat die ermässigte Besteuerung von Holding-, Domizil- und gemischten Gesellschaften, also auch die der Prinzipalgesellschaften, abschaffen.

Der Umbau des schweizerischen Steuersystems war damals bereits in vollem Gang. Mithilfe der Reform sollte die Kritik an den Steuervorteilen beendet werden, gleichzeitig möchte die Schweiz aber für international tätige Firmen steuerlich attraktiv bleiben. Davon hängen nicht zuletzt Steuereinnahmen in Milliardenhöhe ab. Weil im 2017 gleichzeitig auch die Reform zur Altersvorsoge abgelehnt wurde, macht sich Bundesrat und Parlament nach den Abstimmungen sofort daran, eine neue Vorlage auszuarbeiten. Es kam das modifizierte Reformpaket «Steuerreform und AHV-Finanzierung (STAF), welches 2019 zur Abstimmung gekommen ist.

STAF - Keine neuen Prinzipalgesellschaften und Swiss Finance Branches mehr ab 2020

Entgegen der Unternehmenssteuerreform III von 2017, die vom Schweizer Stimmvolk deutlich abgelehnt worden war, haben die Stimmbürger am 19. Mai 2019 an der Urne für das modifizierte Reformpaket STAF gestimmt. Die Neuauflage der ursprünglichen «Steuervorlage 17» setzt sich aus zwei Teilbereichen zusammen:

  • Reform der Unternehmenssteuer
  • Ausgleichende Zusatzfinanzierung der AHV

Die «Steuerreform und AHV-Finanzierung» (STAF) hebt die privilegierte Besteuerung bestimmter Unternehmen auf. So wird ein Ausgleich zwischen den Statusgesellschaften und den heimischen KMU’s geschaffen. Künftig unterliegen alle juristischen Personen denselben Besteuerungsregeln. Die Konsequenzen der Reform sind also absehbar. Insgesamt zahlen Grosskonzerne künftig etwas mehr Steuern, KMU’s weniger. Gleichzeitig soll die Vorlage der AHV dringend benötigte Mehreinnahmen bringen und leistet damit einen Beitrag zur Sicherung der Renten.

Auswirkungen auf den Wirtschaftsstandort Schweiz

Neue Steuervergünstigungen sollen verhindern, dass die betroffenen Firmen nicht ins Ausland abwandern und somit den Wirtschaftsstandort Schweiz schwächen.

Zu diesen Vergünstigungen zählen:

  • Die sogenannte Patentbox: Sie bewirkt, dass ein Teil der Gewinne aus Erfindungen künftig weniger hoch besteuert wird. Auch für Forschung und Entwicklung bekommen Firmen Steuerabzüge.
  • Die zinsbereinigte Kapitalsteuer: Firmen können fiktive Zinsen auf Eigenkapital abziehen – ähnlich wie sie bereits heute die Schuldzinsen ihrer Kredite beim Gewinn abziehen können. Allerdings zahlt man auf Eigenkapital keine Zinsen.

Damit die Kantone die Gewinnsteuern für Firmen senken können, erhalten sie vom Bund mehr Geld aus der Bundessteuer. In der Schweiz ist man davon überzeugt, dass man auch nach Abschaffung der verschiedenen Status kompetitiv bleibt für internationale Firmen. Durchaus gefasst muss man aber auf Restrukturierungen sein, die mit Personalabbau einhergehen.

Die Vorlage geht noch weiter ins Detail. Unser Kunde BDO hat in einem ausführlichen Fachartikel die wichtigsten Punkte zur Steuervorlage STAF zusammengefasst. Erfahren Sie hier mehr.

Das ändert sich für KMU’s

Die Steuerreform bietet den KMU’s in der Schweiz zwar zahlreiche Chancen, stellt sie aber gleichzeitig auch vor neue Herausforderungen. Für die traditionellen KMU sind hinsichtlich der STAF insbesondere zwei Aspekte wichtig:

  • Die Reduktion der Gewinnsteuer
  • Die Erhöhung der Teilbesteuerung von Dividenden

So nimmt die Reform direkten Einfluss auf die Vermögensmassen eines Unternehmens. Um jegliches Optimierungspotenzial bis zum Inkrafttreten der STAF ausschöpfen zu können, besteht für die Schweizer Unternehmen Handlungsbedarf – und das schon jetzt. Denn die Steuerprivilegien werden bis zum 1. Januar 2020 abgeschafft.

Für die Unternehmen gilt es nun, die aktuelle Unternehmensstruktur zu analysieren. Sind Optimierungen hinsichtlich des neuen Steuersystems möglich, ist es ratsam, diese frühzeitig vorzunehmen.

Weitere Informationen

Haben Sie Fragen zur Thematik? Nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf und wir helfen Ihnen weiter.

Wir werden uns in einem der nächsten Blogs damit beschäftigen, welchen Einfluss Prinzipalgesellschaften in einem Konzern haben und welche operativen Rollen sie spielen können.

Lesen Sie dazu auch: Prinzipalgesellschaften - betriebswirtschaftliche Bedeutung & Funktionsweise

 

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