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Licht im «Cloud-Dschungel» - Vergleich der Betriebsmodelle für SAP S/4HANA

Dienstag, 21.4.2020

In diesem Beitrag geben wir Ihnen einen umfassenden Vergleich der möglichen Betriebsmodelle für SAP S/4HANA.

SAP S/4HANA allgemein

SAP spricht bei S/4HANA immer von «One Code Line». Das bedeutet, dass die klassische on premise Lösung S/4HANA Enterprise Management rein von der Softwareseite her betrachtet völlig identisch ist mit der S/4HANA Cloud. Das vereinfachte Datenmodell von S/4HANA sowie die moderne Benutzeroberfläche SAP Fiori ist sowohl in der Cloud als auch in der on premise Version absolut konsistent und identisch. SAP betont diese stringente Grundlage explizit: «ONE Code-line, ONE Data Model, ONE Semantic, ONE User Experience».

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SAP bietet damit den Kunden völlige Wahlfreiheit hinsichtlich des Betriebsmodells: von der vollen Software-as-a-service (SaaS) in der SAP S/4HANA Cloud, bis hin zum Betrieb auf dem eigenen Server als SAP S/4HANA AnyPremise (on any infrastructure).

Überblick_SAP_S4HANA


SAP S/4HANA ist eine «In-Memory» Lösung und bietet neue Geschäftsmöglichkeiten bei gleichzeitiger Vereinfachung der IT-Landschaft. Die folgenden Punkte sollten bei der Auswahl der richtigen SAP S/4HANA-Lösung in die Überlegungen einbezogen werden:

  • IT-Strategie
  • Innovationszyklen
  • Anpassungs- / Upgrade-Aufwendungen
  • TCO
  • Kommerzielle Modelle
  • Business Funktionalität
  • Regulatorische, industrielle und regionale Anforderungen
  • Individualisierungsmöglichkeiten

 

Betriebsmodelle

SAP unterteilt die möglichen Betriebsmodelle für SAP S/4HANA in zwei verschiedene Optionen:

  1. As a Service (Cloud ERP, SaaS)
  2. As a Product (ERP AnyPremise, on any infrastructure)

Betriebsmodelle_SAP_S4HANA


Die beiden Betriebsmodelle unterscheiden sich entlang der Dimensionen «Grad der Standardisierung» und «Grad der Flexibilität». So bietet ein S/4HANA AnyPremise im eigenen Rechenzentrum ein ganz anderes Mass an Flexibilität als das Pendant in der Cloud. Erkauft wird diese hohe Flexibilität durch eine im Vergleich zur Cloud Version geringere Standardisierung. Schlussendlich muss jeder Kunde für sich diese Rechnung machen und dabei diese beiden Dimensionen gegeneinander und vor allem gegenüber seinen Anforderungen abwägen. Der Trend geht jedoch seit einigen Jahren klar in Richtung Standardisierung und damit zum Betriebsmodell «As a service» (Cloud), da die Erfahrungen der Vergangenheit gezeigt haben, dass eine hochflexible kundenspezifische Implementierung langfristig zu deutlich höheren TCO führen.

«As a Service»

SAP stützt sich bei der Definition von Cloud ERP im Allgemeinen auf die Definition von Gartner für Software-as-a-service (SaaS). Allerdings kennt SAP zwei verschiedene Ausprägungen in der Kategorie Cloud ERP, die grosse und vor allem beachtenswerte Unterschiede aufweisen.

  • SAP S/4HANA Cloud ES (essentials edition): diese Variante wurde früher mit dem Begriff «SAP S/4HANA Public Cloud» oder «MTE» (Multi Tenant Edition) umschrieben und meint die echte SaaS-Variante mit den entsprechenden Ausprägungen: Hochstandardisierte, mandantenfähige Cloud-Services für ausgewählte Line of Business- und Industrieszenarien sowie mit einen umfassenden ERP-Funktionsumfang. Ziel dieses Betriebsmodells: Absolute Cloud Standardisierung, maximale Skalierbarkeit und schnelle Innovation zu niedrigsten TCO.

    Da es sich bei dieser Variante um eine echte SaaS Lösung handelt, ist auch der Funktionsumfang in Relation zu den anderen Varianten deutlich eingeschränkt. Es stehen die klassischen ERP-Kernfunktionalitäten sowie ausgewählte «Line of Business» (LOB) Prozesse zur Verfügung, die im Rahmen von sogenannter «Business Configuration» auf gewisse Kundenspezifikas angepasst werden können. Hinsichtlich der Branchenabdeckung stehen derzeit nur zwei Ausprägungen zur Verfügung: «Professional Service Provider» und «Component Manufacturer». Weitere Branchenlösungen sind geplant.

    Auch hinsichtlich der Erweiterbarkeit sind in der SAP S/4HANA Cloud ES-Variante deutliche Einschränkungen im Vergleich zu den anderen Varianten vorhanden. Grundsätzlich können Erweiterungen mit dem S/4HANA Extensibility Framework oder mit Hilfe der SAP Cloud Platform (SCP) über ein vordefiniertes Set an API’s («whitelisted API’s) gemacht werden.

    Der Zugriff auf dieses System durch den Kunden erfolgt ausschliesslich über SAP Fiori und damit über einen Web Browser. Es gibt keinen Zugang zum System via SAP GUI und zum Konfigurationsleitfaden (IMG). Die Konfiguration erfolgt über eigene Customizing-Wizzards auf Basis von Fiori-Kacheln.

    Der grosse Vorteil dieser Variante liegt in der hohen Innovationsfrequenz der Lösung. Vierteljährlich wird die Lösung automatisch auf das neueste Release angehoben und der Kunde erhält somit jeweils neue und innovative Prozesse praktisch «frei Haus» ausgeliefert. Der Kunden hat praktisch kein Wahlrecht, ob und wann er auf das aktuelle Release wechselt.

    Der Weg in die SAP HANA Cloud ES kann ausschliesslich durch eine vollständige Neuimplementierung (Greenfield) erfolgen.

    Die SAP S/4HANA Cloud ES ist eine echte Mehrmandanten-Landschaft im Rahmen einer auf viele Kunden aufgeteilten Public Cloud Infrastruktur und bietet damit tiefste TCO und «fastest time to value».

    Die Lizenzierung dieses Betriebsmodells erfolgt über eine periodische Subscription-Fee (Mietgebühr) und umfasst sämtliche Kosten mit Ausnahme der Implementierungsaufwendungen (Infrastruktur, Lizenzen, Wartung, Backup, Betrieb, etc.).

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  • SAP S/4HANA Cloud EX, (extended edition): diese Variante wurde früher mit dem Begriff «SAP S/4HANA Private Cloud» oder STE (Single Tenant Edition) umschrieben. Die hier vorliegende Variante SAP S/4HANA Cloud EX zeichnet sich durch folgende Eigenschaften aus: Standardisierung, TCO und Skalierbarkeit der Cloud kombiniert mit dem vollen Funktionsumfang, der Erweiterbarkeit und der Reichweite der S/4HANA-Lösung. Ziel dieses Betriebsmodells: Cloud-Standardisierung und Skalierbarkeit zu attraktiven TCO.

    Im Unterschied zur SAP S/4HANA Cloud ES umfasst die SAP S/4HANA Cloud EX das klassische S/4HANA ERP-System mit vollem Funktionsumfang (identisch zu S/4HANA ERP AnyPremise) sowie alle verfügbaren Branchenlösungen und Länderausprägungen. Zudem kann diese Version angepasst (Customizing) und erweitert (Extensibility) werden, - Modifikationen am Sourcecode sind jedoch nicht möglich. Die Erweiterungen können dabei über das S/4HANA Extensibility Framework und über die SAP Cloud Platform erfolgen, mit sehr grossen Erweiterungsmöglichkeiten.

    Der Zugriff auf dieses System kann über SAP Fiori und auch über das konventionelle SAP GUI erfolgen. Die SAP S/4HANA Cloud EXVariante bietet vollen Zugang zum Customizing (IMG) und zum SAP-Repository. Zudem kann das System über konventionelle Kanäle (z.B. via VPN) erreicht werden und erleichtert somit ungemein die Realisierung von Schnittstellen, die Anbindung von Umsystemen und die Datenmigration.

    SAP stellt zwei Upgrades pro Jahr zur Verfügung. Der Kunden kann selber entscheiden, ob er ein neues Release einspielt. Jedoch muss jeder Kunde mindestens einmal in zwei Jahren auf das neueste Release upgraden.

    Die SAP S/4HANA Cloud EX vereint somit die Flexibilität und Erweiterbarkeit einer on premise Lösung mit der Standardisierung und Innovationsfrequenz einer modernen SaaS Lösung.

    Der Weg in die SAP S/4HANA Cloud EX kann ausschliesslich durch eine vollständige Neuimplementierung (Greenfield) erfolgen.

    Die SAP S/4HANA Cloud EX ist keine Mehrmandanten-Landschaft, sondern jeder Kunde wird auf seiner eigenen und explizit ihm zugewiesenen Cloud Infrastruktur betrieben. Der Kunden kann jedoch frei aus einer umfassenden Liste von weltweiten Datacenters wählen, da SAP den Betrieb dieser Lösung sowohl in den eigenen Rechenzentren der SAP als auch bei den gängigen Hyperscalern (AWS, Azure, Google Cloud, etc.) ermöglicht. Das führt zu grundsätzlich tiefen TCO und zu «fast time to value».

    Die Lizenzierung dieses Betriebsmodells erfolgt über eine periodische Subscription-Fee (Mietgebühr) und umfasst sämtliche Kosten mit Ausnahme der Implementierungsaufwendungen (Infrastruktur, Lizenzen, Wartung, Backup, Betrieb, etc.). Diese Gebühr enthält auch den Betrieb der Lösung bei SAP oder bei dem gewählten Hyperscaler, wodurch sich der Kunde in diesem Zusammenhang hier um nichts kümmern muss. Er erhält praktisch ein «rundum sorglos Paket» und klärt alle kommerziellen Aspekte nur mit einem einzigen Partner.


«As a Product»

Natürlich gibt es nach wie vor SAP S/4HANA als klassische on premise Lösung. Dabei handelt es sich um eine standardisierte ERP-Lösung der nächsten Generation, die je nach Kundenwunsch spezifisch angepasst und erweitert werden kann. Der Betrieb erfolgt durch den Kunden selber im eigenen Rechenzentrum oder allenfalls im Outsourcing bei einem professionellen Rechenzentrumsbetreiber.

Der Weg zu SAPS/4HANA AnyPremise kann entweder durch eine vollständige Neuimplementierung (Greenfield) oder durch eine System-Conversion (Brownfield) von einem früheren SAP ERP-System erfolgen. Der Kunde steuert, wie das System betrieben wird und wie die Implementation erfolgt.

Diese Lösung umfasst alle verfügbaren Branchenlösungen und Länderausprägungen. Zudem kann das SAPS/4HANA AnyPremise praktisch nach Belieben angepasst (Customizing), erweitert (Extensibility) und verändert (Modification) werden. SAP stellt einmal pro Jahr ein neues Release zur Verfügung. Der Kunden entscheidet, ob und wann er ein neues Release einspielt.

Die Lizenzen müssen über einen Einmalbetrag gekauft werden und unterliegen einer jährlichen Wartungsgebühr.


Fazit

Mit S/4HANA bietet SAP das derzeit modernste und umfassendste ERP-System an. Diese Lösung lässt sich über verschiedene Betriebsmodelle auf die diesbezüglichen spezifischen Kundenanforderungen ausrichten.

Der maximale Freiheitsgrad kann nach wie vor über ein eigenes SAP S/4HANA AnyPremise System erreicht werden: Volle Flexibilität, vielfältig Anpassbarkeit, vorkonfigurierte Branchenlösungen und Templates stehen den höheren Projektkosten gegenüber. Insbesondere im Vergleich zu den klassischen Cloud Implementierungsprojekten fallen hier deutlich höhere Investitionsausgaben (CAPEX) an. Am anderen Ende des Vergleichs steht die SAP S/4HANA Cloud ES. Hierbei handelt es sich um eine echte SaaS-Lösung, mit gesharter Cloud Infrastruktur, eingeschränktem Funktionsumfang und aktuell nur zwei verfügbaren Branchenlösungen, reduzierten Erweiterungsmöglichkeiten und eingeschränktem Zugang ausschliesslich über den Web Browser. Dem gegenüber stehen die grossen Vorteile einer echten SaaS-Lösung: hohe Innovationsfrequenz, volle Standardisierung mit geringen Folgekosten, tiefe CAPEX dafür periodische OPEX über die periodische Mietgebühr, tiefste TCO.

Zwischen diesen beiden Extremen bewegt sich das Modelle SAP S/4HANA Cloud EX.

Unsere Empfehlung: der Schachzug der SAP, den Betrieb der SAP S/4HANA Cloud EX an die gängigen Hyperscaler abzugeben, klingt für uns sehr spannend. De Facto bietet die SAP S/4HANA Cloud EX alles, was man heute an Flexibilität und Funktionsumfang braucht, bietet aber auch alle Vorteile einer echten SaaS-Lösung, obwohl sie das ganz offenkundig nicht ist. Wir sehen hier in den nächsten Monaten und Jahren ein sehr grosses Potential und erwarten einen dementsprechenden Zuspruch zu dieser Lösung.

 

Licht im Cloud-Dschungel

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